Stadt
Kultur
Bibliothek
Jugend
Familie
Feuerwehr
Ansprechpartner bei der Stadt Kreuztal
Schrift verkleinern Schrift vergrößern

Aktuelle Nachrichten

Brandschutzbedarfsplan in Vorbereitung
01.11.2019

„Pionierarbeit“ nennt Kreuztals Ordnungsamtsleiterin Andrea Neumann das, was die Kommune in enger Zusammenarbeit mit der Leitung ihrer Stadtfeuerwehr in den kommenden Monaten mit der Erstellung eines neuen Brandschutzbedarfsplans leisten muss: Ende nächsten Jahres läuft die für fünf Jahre gültige Ausnahmegenehmigung der Bezirksregierung aus, mit der Kreuztal als mittlere kreisangehörige Stadt von der Pflicht entbunden ist, eine hauptamtliche Wache zu unterhalten. In einer nun fälligen Fortschreibung des Brandschutzbedarfsplans muss und will Kreuztal erneut den Beweis antreten, dass mit der Schlagkraft von zurzeit rund 260 aktiven und ausschließlich ehrenamtlich tätigen Feuerwehrleuten der Brandschutz ausreichend gesichert ist. So weit so gewöhnlich – die Fortschreibung hat es schon immer gegeben. Neu ist indes die Systematik, mit der der Status quo erfasst und beschrieben werden muss – ein diesbezüglicher Erlass der Landesregierung stammt aus dem vergangenen Jahr. Reichte bislang eine stadtteilbezogene Beschreibung des Gefahrenpotenzials, müssen Wehrführung und Ordnungsamt das Stadtgebiet Kreuztal in der Neufassung des Plans in rund 100 Planquadraten in der Ausdehnung von jeweils einem Quadratkilometer beschreiben und darin nochmals auf 10 Meter genau auf mögliche Unglücksszenarien hin analysieren. Wie detailliert dies vonstattengeht und niedergelegt wird, erläuterten Kreuztals Feuerwehrchef Berthold Braun und Andrea Neumann jetzt den Mitgliedern des Kreuztaler Feuerwehrausschusses auf dessen Sitzung im Kredenbacher Feuerwehrgerätehaus. „In Sachen Gefahrenanalyse bedeutet die neue Konzeption nun eine Menge Mehrarbeit für uns“, bestätigt Berthold Braun.

Verpflichtend festgelegt ist auch das Beteiligungsprozedere im Miteinander mit dem Kreisbrandmeister und der Bezirksregierung, die den Entwurf der Fortschreibung mehrmals – mit der Option, Änderungen anweisen zu können - vorgelegt bekommen, bevor der Rat der Stadt Kreuztal das Dokument hoffentlich Mitte nächsten Jahres verabschieden kann.

Verschärfte Anforderungen

Wenngleich sich die Fortschreibung des Brandschutzbedarfsplans in Kreuztal noch in den Anfängen befindet, zeichnet sich jetzt schon ab, dass die neuen Maßgaben die Kommune wie die Feuerwehr vor nochmals verschärfte Herausforderungen stellt: Rechnete die Stadt Kreuztal in ihren bisherigen Plänen mit einer personellen Reserve von 150 Prozent (nicht immer sind alle Einsatzkräfte gleichzeitig verfügbar), werden jetzt 200 Prozent gefordert, heißt im Klartext: Der Kreuztaler Feuerwehr fehlen statistisch gesehen weit mehr als 50 Personen im Einsatzdienst, um personell optimal aufgestellt zu sein. Auch die Erfassung der tatsächlichen Fahrtzeiten von den Gerätehäusern zu Einsatzstellen wird mit Hilfe von sogenannten „Isochronen“ fortan noch genauer analysiert wie bisher – auch diesbezüglich wird die Feuerwehr unter Beweis stellen müssen, dass sie schnell genug mit genügend Kräften vor Ort sein kann. Während die Hilfsfristen – die Definition, in welcher Zeit eine Gruppe zur Hilfe an der Einsatzstelle eintreffen muss – in den zentralen Bereichen in den meisten Fällen erfüllbar sind, dürfte dies in Randgebieten wie Oberhees schwierig werden. Für solche Bezirke ist die Kommune fortan verpflichtet, die Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung zu stärken – mit Brandschutzaufklärung oder ähnlichen Maßnahmen zur Kompensation der Tatsache, dass die Feuerwehr bis zu ihrem Eintreffen dort ein paar Minuten länger braucht als in der Innenstadt. Kreuztals Bürgermeister Walter Kiß wies darauf hin, dass geltendes Baurecht bei der Neuerrichtung von Gebäuden in den Randgebieten möglicherweise die Forderung eines zweiten baulichen Rettungsweges mit sich bringen könne.

Tageserreichbarkeiten wichtig

Im neuen Brandschutzbedarfsplan muss die Feuerwehr ihre Tageserreichbarkeit von Einsatzkräften realistisch darlegen: Die meisten von ihnen gehen ihrer täglichen Arbeit außerhalb des eigenen Wohnorts nach, entsprechend großzügiger müssen Alarmierungen erfolgen – im Zweifelsfall wird schon jetzt auch bei Bagatellen zu Tageszeiten die Nachbarlöschgruppe mitalarmiert.

Erster Entwurf im Frühjahr 2020

Wenn der erste Entwurf der Fortschreibung im Frühjahr 2020 auf dem Tisch liegt, muss die Kreuztaler Feuerwehr mit einer realen Überprüfung ihrer Schlagkraft rechnen – eine Probealarmierung könnte die Einheiten dann zu einem erdachten Brand in einen entlegenen Stadtteil beordern. Ob die Ergebnisse von Stoppuhr und Auszählung verfügbarer Einsatzkräfte die Feuerwehr vor neue „Hausaufgaben“ stellt, bleibt abzuwarten. Die Stadt Netphen war die erste Kommune im Kreis Siegen-Wittgenstein, die im vergangenen Jahr ihren Brandschutzbedarfsplan unter neuen Vorzeichen fortgeschrieben hat. Naheliegend, dass die Kreuztaler Nachbarn die Erfahrungswerte des Netphener Feuerwehrchefs Sebastian Reh dankbar mit zu Rate zieht.

Manpower bleibt entscheidend

Klar ist in jedem Fall: In der Stadtfeuerwehr Kreuztal, bleibt der „limitierende“ Faktor primär die Verfügbarkeit von Menschen, die bereit sind, jederzeit ihren Mitbürgern als Einsatzkräfte zur Seite zu stehen. Wehrführer Berthold Braun: „Das Anwerben von neuen Mitgliedern bleibt also nach wie vor das Gebot der Stunde, um weiterhin eine freiwillige Feuerwehr vorhalten zu können.“ bjö


Bilder

Die Fortschreibung des Brandschutzbedarfsplan bedeutet auch für die Kreuztaler Wehrführung (Mitte: Berthold Braun, rechts Uwe Heide, links Thorsten Schreiber) eine Menge Arbeit. Doch vor allem die Kommune muss den veränderten Anforderungen an das für fünf Jahre gültige Dokument gerecht werden.